Ratschläge für einen schlechten Webdesigner

13.12.2005

Bevor es losgeht

Lange bevor ein Besucher deine Seite zu Gesicht bekommen kann, solltest du ihn bereits mit einer Splash-Page, Willkommens- oder Begrüßungsseite konfrontieren. Das macht nicht nur keinen Sinn – nein – es erhöht auch noch die Zeit, die der Besucher auf deiner Seite verbringt (er muss sich ja erst einmal durch deine ach-so-tollen Grafiken hangeln) – und Zeit ist ja bekanntermaßen das A und O. (Dass die Besucher deine Website wohl möglich das erste und letzte mal aufgerufene haben, ist kein Hindernis. Gute Webmaster sind bekanntlich nur bestrebt die Klickraten auf ihre Werbeeinblendungen zu steigern.)

Beachte: Eine Steigerung der tollen Effekte einer Begrüßungsseite erhältst du, indem du diese aus einer exklusiven Kombination aus Flash und JavaScript bastelst! Damit wirst du deine Besucher beeindrucken.

Das Allerwichtigste

Schreibe stets in verschachtelten Tabellenkonstruktionen, damit dein tolles layout auch in allen Browsern gleich ausschaut.
Und nur so, kannst du schließlich verhindern, dass dir deine Benutzer deinen hart erarbeiteten
Inhalt nicht durch einfaches copy&paste klauen können.

Eventuelle Schwierigkeiten deine Seite zu Betrachten – besonders für behinderte Menschen und deren Screenreader – spielen keine Rolle! Und für Maschinen gibt es eh keine Notwendigkeit die Seite zu besuchen. Semantisches Web – was ist das?

Merke: Nur Anfänger brauchen den Google-Bot!

Content

Benutze so oft wie möglich, english expressions – das klingt nicht nur cool, nein es führt auch dazu, dass ein großer Teil deiner Besucher keinen Blassen Schimmer hat, von was du da eigentlich schwafelst. So kannst du perfekt darüber hinwegtäuschen, dass du eigentlich gar keine Inhalte zu bieten hast und nur (du erinnerst dich) an den Clicks auf deine Adbanner interessiert bist.

Die Navigation

Ach ja, wo wir gerade dabei sind: Es gibt eine tolle Möglichkeit das Auffinden von Informationen zu verhindern. Der Trick heißt Flashnavigation. Mit dieser tollen Sache schließt du schonmal eine Menge Leute aus, die keinen Bock haben sich Adobes Software herunterzuladen. Um die Zielgruppe noch zu vergrößern bietet es sich an zusätzlich noch JavaScript oder gar Java zu verwenden.

Weitere Benutzer ausschließen

Ließ weiter, denn es gibt noch andere tolle Tricks, um den spießigen Verweigerern von schlechter Software das Leben zu erschweren! (Da sind sie ja schließlich selber Schuld …)

Wenn du schon mal Inhalte bringst, so sollten deine Besucher diesen Umstand auch gebührend zu würdigen Wissen – und damit sie auf keinen Fall den Unterschied zwischen deinem alltäglichen Gefasel und der ganz tollen Sache übersehen, stopfst du diese Texte einfach in externe Dokumente wie PDFs. Die müssen können sich doofen Benutzer dann umständlich bequem herunterladen.

Und jetzt kommt der eigentliche Trick: Statt quelloffene und freie Formate nutzen, setzt du auf altbewährtes: DOC und Co. sind hier erste Wahl!

Größe

Ja, groß rauskommen soll sie, deine Website. Doch das war es dann auch mit der Großzügigkeit. Platz ist schließlich kostbar – und das besonders im Web!

Darum heißt die Devise:

„Sparen wo es nur geht!“

An Großbuchstaben, Satzzeichen aber auch an der Schriftgröße. (Wäre doch gelacht wenn sich da nicht einige Zentimeter einsparen ließen.)

Damit die ganzen kurzsichtigen Omas und Opas deinen Quatsch dann auch noch lesen können, müssen sie natürlich die Auflösung ihrer Monitore auf 800×600 Pixel herunterschrauben. Und diesen Leuten musst du einen Gefallen tun: Kleiner ist besser! Und das gilt besonders für die Ausmaße deiner Internetseite.

Damit du den Leuten dann auch zeigen kannst, wie viel Mühe du dir ihretwegen machst, klatsche am besten ein „optimiert für 1024 x 768 Pixel“ darunter. – Vergiss in diesem Zusammenhang nicht zu erwähnen, dass du den Internet Explorer für das Nonplusultra der Webanwedungen hältst und alle anderen Browser ignorierst!

Hinterlasse eine Antwort